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Moralentwicklung

Moralentwicklung

1)   Ein guter Kumpel bietet dir ein hochwertiges Mountainbike (Listenpreis 950 €) für 200 € an, du vermutest, dass es gestohlen wurde. Wie verhältst du dich?
 
2)   Du hast einen Bruder. Du entdeckst, dass er in Betrügereien (wertlose Aktien-Anlagenfonds) verwickelt ist. Einige Menschen werden um ihr Geld gebracht. Er will mit dir nicht darüber reden und es ist ihm egal, wie du denkst und was du meinst. Was würdest du machen und wie würdest du handeln?
 
3)   Eine Frau ist todkrank, sie braucht dringend ein sehr teueres Medikament, das die Krankenkasse nicht bezahlt. Die finanzielle Situation der Familie lässt nicht zu, das Medikament aus eigener Tasche zu finanzieren. Der Ehemann bricht in seiner Verzweiflung nachts in eine Apotheke ein und stiehlt das Medikament. Wie beurteilst du dieses Vorgehen, sollte der Mann, wenn er erwischt wird, bestraft werden?
 
4)   Bei einem anonymen AIDS-Test im Gesundheitsamt erfährst du, dass du HIV-positiv bist. Würdest du deinen Freunden/Freundinnen davon erzählen? Wird sich dein Sexualverhalten ändern?
 
5)   Bei einer Party geht ein teurer DVD-Player zu Bruch, niemand weiß, wer dafür verantwortlich war. Die Gastgeber wissen, dass du eine Haftpflichtversicherung hast und bitten dich, deiner Versicherung den Schaden zu melden. Ihre eigene Versicherung kommt für den Schaden nicht auf. Wie würdest du reagieren?
 
6)   Deine Freundin ist 17 und bekommt von ihrem Freund ein Kind. Sie will eine Abtreibung vornehmen lassen. Ihr Freund hat sie in dieser Entscheidung noch dazu bestärkt. Doch du spürst, dass das nicht ihre eigene Entscheidung ist, sondern die ihrer Umwelt. Welche Möglichkeiten siehst du, wie würdest du die Situation einschätzen?
 
7)   Du hast wesentlich mehr als 0,5 Promille Alkohol im Blut. Bei der Nachhausefahrt von der Disko beschädigst du beim Ausparken ein anderes Auto. Du hast deinen Führerschein noch auf Probe, niemand hat den Unfall gesehen. Wie wirst du reagieren?
 
8)  

Du bist Auszubildender in einem kfm. Betrieb, eine Übernahme nach der Abschlussprüfung ist nicht möglich. Dein Chef belästigt sexuell ständig eine junge Kollegin. Du warst zweimal zufällig Zeuge solcher Belästigungen. Deine Kollegin will den Chef bei der Polizei anzeigen, sie bittet dich eine Zeugenaussage zu unterschreiben. Dein Chef verspricht dir, dich zu nach der Ausbildung zu übernehmen, wenn du schweigst. Was würdest du machen und wie würdest du handeln?

Arbeitsaufträge: Antworten bitte in Stichworten auf der Rückseite notieren:

  • Wie würdest du in diesen Fällen reagieren?
  • Welche Gefühle, Gründe, Werthaltungen, Gesetze oder Normen veranlassen dich so zu handeln?
  • Überlege dir eventuelle Handlungsalternativen mit Pro-Contra-Argumenten.

Dilemma-Geschichten für den Schulalltag

(für verschiedene Stufen)
Paulas Problem
Diese Geschichte erzählt von Paula. Paula ist acht
Jahre alt und klettert sehr gerne auf
Bäume. Sie ist sogar die beste Kletterin in der Nac
hbarschaft. Eines Tages fällt sie von
einem Baum , verletzt sich aber nicht. Ihr Vater si
eht den Sturz. Er ist besorgt und sagt ihr,
sie solle ihm versprechen, nicht mehr auf Bäume zu
klettern. Paula verspricht es und bei-
de geben sich die Hand.
Am gleichen Tag trifft Paula ihre Freundin Anna und
andere Freunde. Annas süsses Kätz-
chen sitzt auf einem Baum und kommt nicht mehr alle
ine herunter. Es muss sofort etwas
getan werden, denn sonst könnte das Kätzchen vom Ba
um fallen. Da Paula die beste
Kletterin ist, fragen die Kinder sie, ob sie auf de
n Baum klettern könnte, um das Kätzchen
zu retten.
Doch Paula erinnert sich an das Versprechen, das si
e ihrem Vater gegeben hat.
 
Quelle: Lickona, Thomas (1989). Wie man gute Kinder
erzieht! Die moralische Entwicklung des Kindes von
der Geburt bis zum Jugendalter und was Sie dazu bei
tragen können, München: Kindt.
 
Das 10 Franken – Dilemma
Die Lehrerin kommt morgens in die Klasse und sagt z
u den Kindern: „Hört mal alle her.
Frau Scholz vom Sekretariat hat heute morgen einen
10 Franken-Schein im Treppenhaus
verloren. Sollte ihn jemand finden, bitte ich euch,
ihr das Geld zurückzugeben.“
Britta hatte das Geld vor Unterrichtsbeginn gefunde
n. Es lag hinter einem Abfallkorb. Sie
war sich vollkommen sicher, dass sie keiner sah, al
s sie den Schein aufhob. Und sie war
froh über den Fund, denn ihre Mutter hatte in der n
ächsten Woche Geburtstag, und sie
wollte ihr ein Geschenk kaufen. Doch was sollte sie
tun? Britta mag Frau Scholz gern und
sie weiss, dass Frau Scholz das Geld braucht, denn
sie hat eine grosse Familie.
 
Quelle: Lickona, Thomas (1989). Wie man gute Kinder
erzieht! Die moralische Entwicklung des Kindes von
der Geburt bis zum Jugendalter und was Sie dazu bei
tragen können, München: Kindt.
 
Das Geheimversteck
Henrik und Tobias sind die besten Freunde. Eines Ta
ges verrät Henrik Tobias, dass er
eine Höhle im Park gebaut hat, in der er eine Kiste
mit Spielsachen und Heften versteckt
hält. Henrik sagt, dass er nach der Schule zur Höhl
e gehen wird, um dort allein zu spielen.
Tobias darf aber keinem davon erzählen. Tobias vers
pricht Henrik, dass er das grosse
Geheimnis bei sich behalten wird.
 
Nach der Schule trifft Henrik auf die Eltern von To
bias, die ihren Sohn mit dem Auto von
der Schule abholen wollten. Sie sind besorgt und fr
agen Henrik, wo Tobias ist, denn sie
wollten vor einer Stunde mit ihm zur Großmutter fah
ren.
Quelle: Lickona, Thomas (1989). Wie man gute Kinder
erzieht! Die moralische Entwicklung des Kindes von
der Geburt bis zum Jugendalter und was Sie dazu bei
tragen können, München: Kindt.
 
Das Pop-Konzert
Jana ist 10 Jahre alt. Sie möchte am Samstag sehr g
ern mit ihrer Freundin in Begleitung
von ihren Eltern ein Pop-Konzert besuchen. Ihre Mut
ter verspricht ihr, dass sie ins Konzert
gehen kann, wenn sie die Karte aus eigener Tasche b
ezahlt. Jana betreut das Kind der
Nachbarin und verdient sich dadurch Geld. Ausserdem
spart sie ihr Taschengeld. Sie hat
daher genug Geld für eine Karte, die 20 Fr. kostet,
und darüber hinaus noch zusätzliche
10 Fr.
Aber dann entscheidet sich Janas Mutter anders und
sagt, dass Jana sich von dem Geld
Sportkleidung für die Schule kaufen muss. Jana ärge
rt sich darüber und beschliesst, trotz-
dem zum Pop-Konzert zu gehen. Sie kauft sich eine K
arte und sagt ihrer Mutter, dass sie
nur 10 Fr. hat.
Am Samstag muss Janas Mutter überraschend zur erkra
nkten Grossmutter fahren. Sie
weiss nicht, wann sie wiederkommt. Soll Jana ins Ko
nzert gehen?
Zweiter Teil:
Als sie losgeht, ist ihre Mutter nicht zu Hause, do
ch ihre ältere Schwester Lilli weiss, was
Jana vorhat. Jana bittet Lilli, der Mutter zu erzäh
len, dass sie zu einer Freundin gegangen
ist und zum Abendbrot wieder zurückkommt. Kurze Zei
t später kommt Janas Mutter nach
Hause und fragt Lilli, wo Jana ist. Was soll Lilli
tun?
Quelle: Lickona, Thomas (1989). Wie man gute Kinder
erzieht! Die moralische Entwicklung des Kindes von
der Geburt bis zum Jugendalter und was Sie dazu bei
tragen können, München: Kindt.
 
Der Kaufhausdiebstahl
Sharon und ihre beste Freundin Jill gehen einkaufen
. Als sie so durch das Geschäft strei-
fen, sieht Jill eine Bluse, die ihr unheimlich gefä
llt. Während Jill die Bluse anprobiert,
schaut sich Sharon noch etwas um.
Schon bald kommt Jill aus der Kabine und trägt ihre
n Mantel. Sie wirft Sharon einen viel-
sagenden Blick zu und guckt auf die Bluse unter ihr
em Mantel. Ohne ein Wort dreht sich
Jill um und geht aus dem Laden.
Kurze Zeit später gehen ein Sicherheitsbeamter, ein
Verkäufer und der Verkaufsmanager
auf Sharon zu: „Das ist sie – das ist eines der Mäd
chen. Kontrollieren Sie ihre Tasche“
 
schreit der Verkäufer. Sharon gibt dem Sicherheitsb
eamten die Tasche: „Keine Bluse“.
„Ja, dann weiss ich, dass die andere es war“, sagt
der Verkäufer.
Der Sicherheitsbeamte fragt den Manager, ob er den
Fall weiter verfolgen soll. „Auf jeden
Fall“, meint dazu der Manager. „Ladendiebstahl wird
zum grössten Kostenfaktor in diesem
Geschäft. Ich kann Ladendiebe nicht einfach laufen
lassen und erwarten, dass das Ge-
schäft grossartig geht.“
Der Sicherheitsbeamte wendet sich Sharon zu und fra
gt sie: „Wie ist der Name des Mäd-
chens?“ Sharon guckt ihn nur an und sagt nichts. „K
omm, spuck es aus“, sagt der Sicher-
heitsbeamte. „Wenn du uns nichts sagst, kannst du f
ür das Verbrechen oder zumindest
der Mitschuld verantwortlich gemacht werden“
 
Quelle: Lickona, Thomas (1989). Wie man gute Kinder
erzieht! Die moralische Entwicklung des Kindes von
der Geburt bis zum Jugendalter und was Sie dazu bei
tragen können, München: Kindt.
 
Tommy dealt
Tommy hat Julia vor kurzem aus einer schwierigen Si
tuation geholfen. Bei einer entschei-
denden Klassenarbeit hat er ihr einen Spickzettel z
ugesteckt, der ihre „letzte Rettung“ war.
Ohne diesen Spickzettel wäre ihre Arbeit mit Sicher
heit in die Hose gegangen und das
hätte sehr unangenehme Folgen für sie gehabt: eine
Zwei in diesem Fach wäre ihr gewiss
gewesen und ihre Versetzung damit unwahrscheinlich
geworden.
Nun hat Julia entdeckt, dass Tommy zu dealen angefa
ngen hat, und zwar auch mit harten
Drogen. Als Julia Tommy daraufhin anspricht und mei
nt, das finde sie ganz hübsch
beschissen, antwortet ihr Tommy, er müsse ja schlie
sslich auch von etwas leben, wenn er
den Stoff nicht verkaufe, würden andere Dealer das
Geschäft machen, Drogenabhängigen
könne sowieso nicht mehr geholfen werden, und ähnli
ches mehr. Als Julia diese Ausreden
nicht akzeptiert, wird Tommy sauer und fährt sie an
, sie solle gefälligst sonstwo den Mo-
ralapostel spielen, aber nicht bei ihm.
Julia fühlt sich nach diesem Gespräch sehr unglückl
ich und fragt sich, ob sie jetzt den
Klassenlehrer ins Vertrauen ziehen soll. Auch Bekan
nte, denen sie von diesem Problem
erzählt (ohne Tommys Namen zu nennen), meinen, in d
iesem Fall müsse der Klassenleh-
rer informiert werden. Julia ist sich klar darüber,
dass ein solcher Schritt sehr unangeneh-
me Konsequenzen für Tommy haben kann.
Was würdest du an der Stelle von Julia tun, den Kla
ssenlehrer informieren oder nicht?
 
Quelle: Günter Schreiner, „Julia und der Dealer“ Er
fahrungen aus einem Versuch, mit Schülern über ein
lebensnahes moralisches Problem zu diskutieren. In:
„Die Deutsche Schule“ 2/82 S. 128 ff.
 
 
 
 
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